Hallo!
Darf ich vorstellen: Henriettes Hinterteil.
Henriette ist mein treues Breezer‑Bike – und längst mehr als nur ein Fahrrad. Eine echte Diva und zugleich eine robuste „Bauerntralle“, die auch mal harte und fragwürdige Wege nimmt. Über sie werde ich hier immer wieder schreiben, denn sie hat – zur Verwunderung mancher – eine eigene Persönlichkeit und „kommuniziert“ gern mit mir. Ich bin Stephan – der Typ der so komisch von oben schaut. Wir beide, Henriette und ich, haben schon einiges erlebt, und ich bin gespannt, wohin es uns noch verschlägt.
Ich nehme euch gerne mit – auf Tagestouren, Reisen und spontane Ausflüge. Für mich sind diese Erlebnisse mehr als Bewegung oder Urlaub. Sie sind bewegend im doppelten Sinne: körperlich und emotional. Wer hätte gedacht, dass ich einmal mit eigener Kraft Ziele erreiche, die früher unvorstellbar waren? Damals, mit rund 40 Kilo mehr auf den Rippen, waren drei Kilometer auf dem Rad eine kleine Sensation. Heute fahre ich Strecken über 250 Kilometer – und das Gefühl ist noch immer dasselbe: Stolz, Freude, Freiheit. Es ist anders als früher, aber genauso schön. Ich liebe es, den Kopf auszuschalten, einfach zu treten – mich auch mal zu quälen – und das Ziel zu erreichen.
Am Ende geht es mir vor allem um das Gefühl: mit mir zu sein, die Welt mit wachen Augen und offenem Herzen zu erfahren – das Leben und das, was uns geschenkt wurde, wertzuschätzen und zu genießen.
Schön, dass du dabei bist. Viel Spaß beim Lesen und Mitradeln.
Im Woid / 2 Wochen Sommerarbeit im Juli - August 2026
7 Touren / ➡︎ 610 km, ⬆︎ 7560 m
Wie schön es doch ist, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. In meinem Bayerischen Wald. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Und ja, hier bin ich definitiv daheim und ich denke, nicht zu untertreiben, dass nicht nur der Woid und die Menschen ein wesentlicher Teil meines Lebens sind, ich bin dort auch quasi ein Bestandteil, man kennt mich und ich denke und hoffe, man schätzt mich auch. Falls ich das doch falsch interpretiere, müsste ich noch mal mit meiner Therapeutin über eine mögliche narzisstische Störung reden ;) Als Hypochonder und Alles-Hinterfrager habe ich das Thema jedoch schon öfter mal bei ihr angesprochen und sie meinte mit einem breiten Lächeln im Gesicht, allein dass ich so etwas anspreche, zeigt, dass ich es nicht bin. Hoffen wir, es bleibt so.
Zurück zum Thema: Ich bin aufgrund von viel Trubel und To-dos und damit verbundenen kurzen Nächten ziemlich verstrahlt und gehetzt am 24.07. in Bayern gelandet, sofort nach einer kurzen Gesichtsdusche in ordentlichen Zwirn gehüpft und sodann mit dem mitgebrachten Gesicht und der trägen Müdigkeit zum Arbeiten nach Bad Kötzting. Wenn ihr euch fragt, was der Pohl denn in Bad Kötzting arbeitet, er hat doch einen Job und genug zu tun: Ja, jedoch arbeite ich seit Dezember letzten Jahres hin und wieder abends in der Bayerischen Spielbank und helfe im Restaurant Edelstein (mega leckeres Essen und eine super liebe Chefin, und natürlich fetzen alle im Spielbankbetrieb), wenn mal wieder Veranstaltungen sind, Ausfälle oder Kollegen Urlaub haben.
Ich liebe diese Abwechslung zum normalen Projektalltag mit dem selbst zu koordinierenden Stress. Es ist auch mal Balsam für den Geist, feste Zeiten und Struktur definiert zu bekommen und auch mal mit Kollegen zu arbeiten, zu albern und sich auszutauschen, auch mal blöde abzulästern, aber in einem herzlichen Rahmen. Und nicht zuletzt feiere ich das meist durchgehend positive Feedback der Gäste und manchmal ist es nur ihr Strahlen, wenn sie mich sehen. Ich würde lügen, zu sagen, es ist mir nicht bewusst, wie ich wahrgenommen werde. Ein herrlicher Flow und dann noch von super netten Menschen meiner schönen bayerischen Zweitheimat umgeben zu sein.
Ansonsten habe ich tagsüber versucht, meine Designprojekte zu bedienen und abzuarbeiten. Die Betonung liegt auf „versucht“, das meiste habe ich nicht in dem Umfang geschafft, wie ich es plante. Zwischen der Arbeit lockten die Natur, das Wetter und das ungeduldige, aufdringliche Durchdrehen Henriettes Reifenprofils. Klar will sie das Auf und Ab in kurzen und längeren Runden genießen. Und als höriger Untertan meines weiblichen Trettesels ergebe ich mich ihren Wünschen so gut es eben geht.
Dieses Mal gab es nur 4 Nachmittagsrunden (-Ründchen) und eine feine längere Tour zum Moldaustausee mit zwei wilden Nächten und insgesamt 388 Kilometern.
Baderunde
➡︎ 81,6 km, ⬆︎ 170 m
Es ist und bleibt heiß. Deshalb ging es heute mit Freunden aus der Jugend – wir nennen uns Monatskochgruppe – zum Baden nach Dannigkow, wo sich mitten im Wald echt schöne Steinbrüche/Seen verstecken. <- Für die unter Euch, die die Gegend nicht kennen;)
Mit Rückenwind ging es ostelbisch Richtung Südosten. Irgendwie war heute früh mal die Rede vom Silbersee/Inselsee. Also schnurrte Henriette mit mir genau dorthin. Nach einem Such-Marsch durch tiefen Sand des Strands versuchte ich, die anderen zu erblicken oder das sie mich sehen oder riechen. Erfolglos.
Praktisch, diese mobilen Endgeräte – wenn man sie nicht nutzt. Also quälte mit meinen Brillenlosen trüben Augen durch den Gruppen-Chatverlauf und stellte fest, dass der Treffpunkt zwischenzeitlich vom Silbersee auf den Felsensee verlegt worden war.
Also Madame Henriette wieder zurück durch den Sand manövriert. Henriette ist wirklich keine Strandmaus und lässt mich das auch jedes Mal spüren. Das Ganze natürlich unter den neugierigen und interessierten Blicken der Badegäste, während Mister Hauteng – vielleicht sollte ich doch mal andere Fahrradklamoten versuchen… man fährt ja auch nicht mit einem Astronatenanzug Dreirad – mit impulskontrollierenden Wortfetzen durch die Gegend stapft.
Am Ende hatte sich der kleine Umweg aber gelohnt. Die Abkühlung und Freunden fetzt.
Zurück ging es über Schloss Dornburg, die stillgelegte Eisenbahnbrücke bei Barby und durch Wespen mit seiner kleinen Holzkirche, Eikendorf und schließlich durch das Sülzetal zurück nach Hause.
Mit der tiefrot untergehenden Sonne, den weiten Feldern und dem warmen Abendlicht wirkte die Landschaft, als käme gleich ein einsamer Cowboy auf seinem Pferd vorbei. War aber nur ne Chantal auf Ihrer Simse. Keine große Runde – aber eine entspannte Badetour mit Freunden.
Das Angenehme mit dem Schönen und Guten verbinden.
➡︎ 85,4 km, ⬆︎ 230 m
Nach einem heißen Tag ging es abends noch mal nach Bernburg zur Barnight. Ein von Studierenden organisiertes Event im COI, im Pride Month. Ein entspannter Abend für Vielfalt und buntes Leben. Der Erlös des Abends ist dann auch noch für einen guten Zweck gewesen. Die Einladung hat mich voll gefreut und ich bin gern hingeduddelt. Nach zwei alkoholfreie Bier und sympathischen Unterhaltungen ging es wieder heimwärts. an Saale und später Elbe. Schon komisch, aber ich liebe es so unglaublich, durch die ruhige Nacht zu fahren. Ein laues Lüftchen und so einen entspannte Ruhe. Im Heimatkiez trifft man natürlich wieder Menschen und so sitzt man dann noch gemütlich bei Fritz Helga in der Bar. Ein feiner Abend.
Harzrunde
➡︎ 243 km, ⬆︎ 1.680 m
Auch wenn es projektbezogen gerade eng ist: Ein Tag in der Woche ist Stephans-Tag. Heute, am Sonntag, bevor Henriette morgen ihren wohlverdienten Wellness-Tag mit einem Retread einlegt und es am Donnerstag zum Arbeiten nach Bayern geht, schauen wir, dass wir heute den aus Süden kommenden Wind etwas kreuzen, um irgendwann vom Süden wieder hochzufahren. Mal schauen, wie es klappt.
Durch die hügelige Börde geht’s Richtung Niedersachsen. Ich muss daran denken, wie eine Dame mal zu mir meinte, nachdem sie im Urlaub in der Toskana war, da fährt sie nie wieder hin, da die Börde genau so aussehe … Ich weiß bis heute nicht, ob die Frau vielleicht arg Drogen genommen hatte, um zu dieser Aussage zu kommen.
Ab Goslar ging es hoch am Fuße des Harzes Richtung Wernigerode, über Bad Harzburg und Ilsenburg, früher ziemlich hart an der Grenze zum Zonengrenzgebiet. Hier waren wir als Kinder im Urlaub. Das Heim, die Massenunterkunft für urlaubshungrige DDR-Bürger, in dem wir damals untergekommen sind, ist heute ein Sternerestaurant.
Hinter Wernigerode noch mal bergauf und bei Blankenburg ging es über den Harzer Mühlenweg, der das Adrenalin etwas in die Höhe steigen lässt, da es teilweise sehr abschüssig, schmal, matschig und nah am Wasser verläuft, Richtung Halberstadt und dann heimwärts.
Mit ordentlich Nacken vom ganzen Hoch-und-runter-Schottern falle ich nach 243 Kilometern und 1.680 Höhenmetern ziemlich k. o. ins Bett.





























































































